Bedford-Strohm mit Delegation in Papua-Neuguinea

Unser Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm in Logaweng
Bildrechte: Heinrich Bedford-Strohm

Der Landesbischof schreibt auf Facebook:

3.2.2019, 0:53 Uhr

Nach einer 10-stündigen Wartezeit kurz vor dem Ziel wegen ausgefallener Maschine sind wir gestern Abend in Lae angekommen, wo die Zentrale der Ev.-Luth. Kirche von Papua-Neuguinea liegt. Der Gouverneur der Provinz Morobe Ginson Saonu und Bischof Dr. Jack Urame haben uns mit einer traditionellen Zeremonie ein überwältigendes Willkommen bereitet. Bei dem festlichen Empfang, den der Gouverneur noch am Abend gegeben hat, ist deutlich geworden, wie wichtig den Menschen in Papua-Neuguinea die Beziehung zu Bayern und zu Deutschland ist. Die Partnerschaft besteht seit gut 130 Jahren. Bis heute leisten die Missionare, v.a. auch die Ärzte, einen wesentlichen Beitrag zur sozialen Infrastruktur eines Landes, das in vieler Hinsicht zu kämpfen hat. Umgekehrt lassen wir uns inspirieren von der Lebens- und Glaubensfreude der Schwestern und Brüder hier. Bischof Jack Urame war fünf Jahre lang Pfarrer im mittelfränkischen Auhausen und ist dort noch in bester Erinnerung. Wunderbar, dass wir als Kirche in einer so zerrissenen Welt dieses Zeichen der Einheit setzen können…

03.02.2019 um 23:59

Grußworte nach dem Gottesdienst: auch der Gouverneur hat es sich nicht nehmen lassen, zum Gottesdienst zu kommen. Er betont, wie wichtig die Kirche für das soziale Leben in Papua-Neuguinea ist. Auch am Grußwort des Bischofs Dr. Jack Urame spürt man, dass die Kirche hier „öffentliche Kirche“ ist. Hans Hörschelmann, Direktor von Mission EineWelt spricht von der langen Tradition der Partnerschaft und wie wichtig die Impulse für uns sind, die daraus kommen.

Die Bischöfe Jack Urame und Bedford-Strohm
Bildrechte: Heinrich Bedford-Strohm
Die Bischöfe Jack Urame und Bedford-Strohm

04.02.2019 um 14:04

The church and Public Theology - das war mein Thema beim Vortrag gestern Nachmittag im Martin Luther Seminary in Lae, wo die lutherische Kirche Pfarrer ausbildet. Im Anschluss haben wir im Garten Partnerschaftsbäume gepflanzt. Hier Bischof Jack Urame und der philippinische Kirchenpräsident Antonio Reyes...

04.02.2019 um 14:24

Wiederum ein überwältigender Empfang bei unserer nächsten Station: Finschhafen an der Westküste Neuguineas, wo Johan Flierl aus dem mittelfränkischen Neuendettelsau 1886 angekommen ist und den christlichen Glauben nach Neuguinea gebracht hat. Bei der Ankunft spricht der Gouverneur von der historischen Bedeutung unseres Besuchs, der die von Flierl begründete Partnerschaft mit neuen Leben erfüllen soll. Es ist beeindruckend, wie der Gouverneur als überzeugter lutherischer Christ alles tut, um die Arbeit der Kirche, die so wichtig ist für das in vieler Hinsicht mit großen Problemen kämpfende Land, zu unterstützen. Wir kommen an dem von der lutherischen Kirche unterhaltenen Krankenhaus an, in dem von unserem Partnerschaftszentrum Mission EineWelt entsandte Ärzte einen unglaublich tollen Dienst tun. Ich höre gleich von mehreren Geschichten, wo Frauen in den Dörfern des Hochlandes, die ein Kind gebären und zu verbluten drohen, mithilfe von Hubschraubereinsätzen (Straßen gibt es nicht und die Fußmärsche würden mehrere Tage dauern) von den Ärzten gerettet werden konnten. Sehr beeindruckend!

04.02.2019 um 14:37

Dann Ankunft im Senior Flierl Seminary, der zweiten theologischen Ausbildungsstäte der lutherischen Kirche hier. Wahrscheinlich die theologische Hochschule mit dem schönsten Blick der Welt. Wieder halte ich einen Vortrag, diesmal über „The Mission of the Church“. Spannende Diskussion mit den Studierenden…

06.02.2019 um 15:36

Zum Posten bleibt angesichts eines vollen Tages ohne Freiräume von 7-23 Uhr kaum Zeit. Jeder Tag fühlt sich an wie eine Woche. Ich will wenigstens kurz etwas von den überwältigenden Erfahrungen hier erzählen. Das Thema Klimawandel hat uns gestern sehr konkret beschäftigt. Wir waren in einem Dorf am Meer, in dem man die Folgen des Klimawandels sehr direkt sehen kann. Weil der Meeresspiegel kontinuierlich gewachsen ist, bricht das Ufer immer mehr ab, so dass einige der Häuser schon jetzt verlegt werden müssen. Ein alter Mann aus dem Dorf hat uns den Holzpfahl im Wasser (hier im Bildlinks) gezeigt und gesagt: Dort vorne war früher noch Land. Eine der Inseln vor der Küste versinkt schon im Meer. Die Bewohner mussten umgesiedelt werden. Die Kinder aus dem Dorf, mit denen ich noch etwas Schabernack getrieben habe, werden, wenn sie groß sind, vielleicht nicht mehr in ihrem Dorfwohnen können. Das ist schlimm, denn für die Papuas ist das Land Teil ihrer Identität. Die CO2-Emission der Papuas pro Kopf und pro Jahr liegt bei 0,81 t. In Deutschland liegt sie bei zwischen 9 und 10 t. Menschen in den Küstenregionen hier, die am wenigstens zum Klimawandel beigetragen haben,sind seine ersten Opfer. Auch deswegen ist es so wichtig, dass wir international wirksame Strategien gegen den Klimawandel entwickeln.

06.02.2019 um 16:21

Der Besuch gestern morgen im Braun Memorial Hospital in Finschhafen hat mich ungeheuer beeindruckt. Was die wenigen Ärzte, unter ihnen auch die von der evangelischen Kirche entsandten Dr. Hubert Schildhauer und Dr. Stella und Prof. Matthias Freudenberg (im 3.Bild rechts) sowie das Pflegepersonal hier leisten, ist unglaublich. Für 160 000 Menschen versuchen sie, die medizinische Versorgung zu gewährleisten. Niemand wird abgewiesen. Mit einfachsten Mitteln retten sie Leben. Man spürt, und das hat mich so beeindruckt, die Liebe zu den Menschen und eine Verbindung von hohen fachlichenStandards, einfachen Mitteln und einem großen Respekt vor den Menschen. Sie sind – und das habe überall gehört – ein großer Segen für die ganze Region. Auch der Gouverneur, der uns erneut begleitet hat, hat seinen großen Dank für diese Arbeit der Kirche ausgesprochen…

07.02.2019 um 02:30

Das ist der Empfang, der uns in Simbang bereitet wurde, einem kleinen Dorf an der Küste, in dem Johann Flier nach seiner Ankunft in Neuguinea vor 133 Jahren seine Missionstätigkeit begann. Die Dorfbewohner sind sehr stolz auf dieses Erbe und haben große Ideen, ihr Dorf zu einem touristischen Anziehungspunkt für Reisende auf den Spuren der christlichen Wurzeln hier zu machen. Die traditionelle Willkommenszeremonie mit bunter Bemalung, Tanz, Trommeln und Gesang war eine große Ehre für uns. Darin drückte sich die große Wertschätzung der Missionstätigkeit Flierls aus und die Hoffnung, dass unser Besuch hier die Christen hier bei der Neuentdeckung dieses Erbes unterstützen und ermutigen kann.

07.02.2019 um 02:47

Heldsbach ist ein Zentrum der lutherischen Kirche in Neuguinea. Hier wurde Bischof Jack Urame 2016 bei der Synode in sein Amt gewählt. Eine große Menge von Menschen und alle Repräsentanten der Kirchen erwarteten uns dort, wiederum mit einer bunten Zeremonie und wunderschönem Blumenschmuck überall. In den Reden wurde unser Besuch immer wieder als historisch bezeichnet und die große Bedeutung der Partnerschaft unterstrichen. Anders als in manch anderen Kontexten, in denen Mission und Kolonialismus eng miteinander verbunden werden, haben wir keine Kritik an dem Wirken der weißen Missionare gehört, sondern eine große Dankbarkeit und die Bitte an uns, uns weiter und intensiver zu engagieren. Bischof Urame versucht in seinen Predigten und Reden, auch während unserer Reise, immer wieder auf die Notwendigkeit der Eigenverantwortung hinzuweisen. Gleichzeitig braucht man einfach an vielen Punkten Unterstützung von außen. In einer Gesellschaft, die erschüttert ist von Gewalt, den negativen Folgen der Globalisierung und verschiedenen Kulten wie der Zauberei und des Hexenwahns, ist das Zeugnis des Evangeliums und seine Menschenfreundlichkeit umso wichtiger. Wie können wir uns gemeinsam darin unterstützen?

07.02.2019 um 03:07

Das ist wahrscheinlich eine der am schönsten gelegenen Kirchen der Welt, in Sattelberg, einem weit oben in den Bergen gelegenen Dorf, das nur zu Fuß oder mit einem Jeep zu erreichen ist. Von hier aus wurde die Inlandsmission in Papua-Neuguinea gestartet. Die Kirche ist nach dem Modell der Nürnberger Lorenzkirche erbaut. Das war ein schöner Anknüpfungspunkt in meiner Ansprache in der Kirche, denn ich bin ja in der Lorenzkirche in mein Amt eingeführt worden. Eine ganze Allee von Blumen war rechts und links am Weg aufgebaut und die traditionelle Toreingangszeremonie stand am Beginn. Mir ist fast schwindlig geworden bei dem Empfang und den hohen Erwartungen, die mit meinem Besuch hier verbunden wurden. Gleichzeitig war wieder diese wunderbare Gemeinschaft in Christus spürbar, die macht, dass man sich an einem solchen Ort und in der gemeinsamen gottesdienstlichen Feier gleich zu Hause fühlt.

Sattelberg
Bildrechte: Heinrich Bedford-Strohm
Sattelberg

Am Abend Vortrag in der Hochschule. Diesmal spreche ich, ausgehend von der reformatorischen Theologie über christlichen Glauben als Kraftquelle zur Überwindung der Angst. Die Ängste hier sind anderen als bei uns, heute und auch zu Zeiten der Reformation. In Papua-Neuguinea sind es Zauberei und aggressive Hexenphantasien, die viel Schaden anrichten und Menschen Angst einjagen. Für Unglück werden übernatürliche Ursachen gesucht. Opfer sind häufig unschuldige Menschen, v.a. Frauen, die der Hexerei bezichtigt werden und Folter und Mord ausgesetzt sind. Auch deswegen ist der christliche Glaube so wichtig. Er ist eine Kraft gegen die Angst und für die Humanität. Wer wirklich glaubt, dass jeder Mensch ein von Gott geliebtes Geschöpf ist, geschaffen zu seinem Bilde, der ist gefeit gegen menschenfeindliche Kulte, die Angst und Schrecken verbreiten…

Nach dem Vortrag beim Gespräch mit den Studierenden kommt plötzlich eine Delegation mit Schwestern aus dem Krankenhaus an, das wir nicht erreicht haben. Sie wollten uns unbedingt sehen und haben sich auf den Weg gemacht und es trotz Straßeneinsturz irgendwie zu uns geschafft. Großes Hallo. Und wieder werden wir reich beschenkt mit Bilums, das sind mit viel Liebe gestrickte oder geknüpfte Taschen, die um den Hals gehängt oder mit dem Tragriemen um den Kopf auf dem Rücken getragen werden…

Gestern der letzte Tag in Papua-Neuguinea: Rückkehr in die Hauptstadt Port Moresby, wo wir zu der letzten Station unseres Besuches, Manila, starten. Abschiedsessen mit dem Distriktpräsidenten, in Bayern würde man sagen: Regionalbischof“ des Distrikts Papua, der sich auf das Riesengebiet von sechs Provinzen erstreckt. Endlich auch Zeit, unsere Erfahrungen intensiver zu reflektieren. Für mich ist das Überraschendste an unserem Besuch, wie ausnahmslos positiv von den Missionaren gesprochen wird und wie sehr man sich ein intensiviertes Engagement von unserer Seite wünscht. Wer die von uns geschickten Ärzte und ihre Professionalität, gepaart mit viel Liebe, erlebt hat, versteht auch, warum das Image der Missionare so positiv ist. Historisch spielt vielleicht auch eine Rolle, dass Johann Flierl sich schon sehr früh von den Kolonialherrn seiner Zeit distanziert hat. Er war ein glaubwürdiger Zeuge des Evangeliums. Für mich bleibt als die große Frage der Zukunft: Was können wir tun, dass dieses wunderbare Land und seine Menschen eine gute, eine bessere Zukunft haben? Die Erwartungen, die uns in dem Besuch entgegengebracht wurden, sind hoch. Wie können wir so helfen, dass Eigenverantwortung und der eigene Weg der Kirche hier gestärkt werden und wir uns weiter wechselseitig bereichern? Bischof Dr. Jack Urame ist in dieser Hinsicht ein großer Hoffnungsträger. Für mich geht der Besuch jetzt weiter. Die Eindrücke waren so intensiv, dass die Woche sich anfühlt wie ein Monat. Und ich noch viel Zeit brauchen werden, um die Eindrücke und Erfahrungen zu verarbeiten…