Drei Wege zur Freude

Pfarrer i.R. Ulrich Rauh predigte am 15.1.2023 in Rehweiler zum Abschluss der Allianz-Gebetswoche. Thema war die "ewige Freude". Bereits die Orgelmusik zum Eingang weckte eine fröhliche Stimmung, die dann mit dem Lied "Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude" fortgeführt wurde. Predigttext war der Psalm 126:

Wenn der HERR die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden.
Dann wird unser Mund voll Lachens und unsre Zunge voll Rühmens sein.
Dann wird man sagen unter den Heiden: Der HERR hat Großes an ihnen getan!
Der HERR hat Großes an uns getan; des sind wir fröhlich.
HERR, bringe zurück unsre Gefangenen, wie du die Bäche wiederbringst im Südland.
Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten.
Sie gehen hin und weinen und streuen ihren Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben. (Psalm 126)

Liebe Gemeinde,
Machen wir uns auf den Weg. Machen wir uns auf den Weg zur Freude.
Drei Weg zur Freude beschriebt dieser Psalm. Alle drei Wege Dürfen wir gehen und Wunderbares dabei erleben.
Das mag wie eine Wanderung durch den Steigerwald sein, bei der sich viele Wege kreuzen und jeder Weg seine eigene Faszination hat.
Drei davon wählen wir uns heute aus, drei Wege zur Freude.
Der 1. Weg heißt Erinnerung, Erinnerung an die Freude in der Vergangenheit.
Der 2. Weg befasst sich mit dem Unerfreulichen. Er gibt der Klage Raum. Und er wendet den Blick in die Zukunft
Der 3. Weg führt uns in die Höhe, auf einen Berg mit weiter Sicht.

Machen wir uns also auf den Weg und beginnen beim 1. Weg und laufen mal los.
Aber kaum sind wir losgelaufen, stolpern wir. Ein unübersehbarer Felsbrocken liegt im Weg. Den müssen wir erst mal wegräumen.
Wieso Erinnerung? Der Psalm beginnt doch mit einem Blick in die Zukunft. Ja, so hat es Luther damals übersetzt. Doch dummerweise steht hier in der hebräischen Bibel nicht Zukunft sondern Vergangenheit, also:
Als der Herr das Geschick Zions wendet, da waren wir wie die Träumenden. Da war unser Mund voll Lachens und unsere Zunge voll Jubels. Da sagte man unter den Völkern: Der Herr hat Großes an ihnen getan! Ja, der Herr hat Großes an uns getan, wir waren voll Freude.
Ja, wie soll man denn als einfacher Bibelleser wissen, dass Martin Luther hier einfach die Zeiten verschoben hat. Es hat doch nicht jeder Theologie studiert.
Also helfen wir zusammen und räumen diesen Felsbrocken einfach weg und finden so den jetzt freien Weg der Freude in der Vergangenheit.
Daran erinnerte sich das Volk Israel. Es erinnerte sich an die wunderbare Befreiung aus der Gefangenschaft. Da war Freude. Da hat Gott geholfen. Und die Erinnerung daran tut gut.
Ja, wir brauchen solche Erinnerungen, sonst wird die Gegenwart manchmal unerträglich. Gute, freudige, schöne Erinnerungen tun gut. Jeder von uns hat diese Erfahrung sicherlich schon gemacht. Trübe Tage lassen sich besser aushalten, wenn wir uns an die Sonne erinnern.
Als ich einmal in Sibirien war – es war  im Juni, die Tage waren herrlich warm – da fiel mir auf, dass die Menschen sich an blühenden Büschen und leuchtenden Blumen gegenseitig fotografierten, und nicht nur einzelne, sondern sehr viele. Ich fragte mich, warum machen die das? Die Antwort war eigentlich ganz einfach Es sind Erinnerungen, die helfen,  den langen und sehr kalten Winter zu überstehen und eben die Erinnerung an Sonne, Farben , Licht und Freude wachzuhalten.
Welche solche Erinnerungen der Freude haben wir? Jeder von sicher seine eigenen. Aber welche haben wir als christliche Gemeinden hier in Rehweiler und in Aschbach? Welche Erinnerungen der Freude haben wir als Volk und Land?
Nein, da gebe ich jetzt keine Antwort drauf. Das ist jetzt sozusagen die Hausaufgabe für alle, darüber nachzudenken. …

Ha, da ist ja auch schon der zweite Weg zur Freude. Ich geh da jetzt entlang und nehme Sie einfach mit.
O weh, was ist das für ein Weg, das ist ja eine Schotterpiste, müssen wir da wirklich lang?- Ja, da müssen wir jetzt durch.
Geh‘n Sie ruhig mit; denn diese Schotterpiste führt uns in die Gegenwart.
Ist die Gegenwart wirklich so holprig? O ja. Diese Erfahrung machte auch der Psalmsänger und klagte: Wende, o Herr, unser Geschick!.
Die Freude ist vorbei. Jetzt gibt es keinen Anlass zur Freude. Wo ist sie geblieben, was ist los? Herr, hilf!
Ja, er klagt, der Psalmsänger. Er klagt Gott sein Leid. Er jammert nicht. Er lamentiert nicht. Er klagt. Er klagt Gott seine Not.
Jammern, ja, das können wir alle. Da lamentieren wir darüber, dass alles teurer wird, da jammern wir, dass sich die Umwelt nicht bessert. Da beklagen wir uns. Dass der Frieden in der Welt so brüchig geworden ist. Da lamentieren wir über unser eignes Los. Da jammern wir darüber, dass viel Umgangsformen immer respektloser werden. Da beklagen wir uns, dass die Kirchen immer leerer werden Wir jammern, klagen und beklagen uns. Und Schuld sind natürlich immer die anderen. So sind die Menschen eben. Sie drehen sich dabei immer nur um sich selber und verlieren ganz den Blick nach außen, hinaus über eigenen beklagenswerten Horizont.
Der Beter unseres Psalms macht da nicht mit. Er jammert nicht. Er klagt. Er reicht Klage ein bei Gott: Wende, o Herr, unser Geschick.
Gott ist jetzt dran. Er ist sein Gegenüber. Das ist nämlich der Unterschied zwischen jammern und klagen. Jammern dreht sich um sich selbst. Die Klage kennt ein Gegenüber, einen, an den sie sich richtet. Und unser Klageempfänger ist Gott:
Wende, o HERR, unser Geschick!
Wer in die Freude will, darf die Klage nicht scheuen. Ja mehr noch: Wer zur Freude will, lerne die Klage.
Im Psalm klagt nicht ein einzelner, sondern das ganze Volk. Denn das Gottesvolk als Ganzes ist unterwegs zur Freude.
Damals, in der Erinnerung war „unser Mund voll Lachens“. Jetzt aber hat das Volk nichts zu lachen. Jetzt sind harte Zeiten Und ich denke, wir können das in den momentanen Krisen gut nachfühlen.
Die Beter des Psalms klagen auf Zukunft. Diese Klage auf Zukunft gründet in der Erinnerung an freudige Wende in der Vergangenheit.
Und am Ende steht da die Gewissheit: Gott handelt, auch wenn wir es vielleicht nicht immer gleich merken. Der Weg zur Freude ist gebahnt.
Merken Sie was? Die Schotterpiste bessert sich. Wire können wieder freier und fröhlicher vorankommen.

Und schon weist uns ein unübersehbares Hinweisschild den 3. Weg zur Freude Folgen wir ihm. Und schon bald stellen wir fest: dieser Weg führ heraus aus Schotterpiste und Unterholz. Er führt uns in die Höhe, auf einen Berg mit einer wunderbaren Weitsicht.
Wer selbst schon mal auf einen Berg gestiegen ist – es muss nicht unbedingt ein Hochgebirgsgipfel sein, da reicht schon ein kleiner Berg hier im Steigerwald – der kennt das, wie der Blick sich auf einmal weitet und bis an den Horizont reicht. Und hinter dem Horizont ahnen wir, dass die Welt noch weiter geht. So ist der 2 Weg ein Weg der Ahnung: Da ist noch was, was wir jetzt noch nicht sehen können, obwohl der Blick hinein geht ins Land.
Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten.
Sie gehen hin und weinen und streuen ihren Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben.
Noch sind wir nicht da. Aber die Tränen kennen wir. Doch die Freude wird groß sein, die uns verheißen ist. Dahin geht unser Weg. Da ist unser Zukunft. Da ist Gott. Er sieht uns schon von Weitem so wie seinerzeit der Vater in heimkehrenden Sohn in dem Gleichnis, das Jesus erzählt hat.. Gott kommt uns entgegen. Da wird Freude sein. Der Jubel der Engel, den wir von Weihnachten her kennen, wird uns erfüllen.
Was der Mansch sät, wird er ernten. Was wir hier in der Welt Vergängliches tun, tun wir ins Ewige hinein. Gott kommt uns entgegen.
In jedem Gottesdienst kommt er. Und jeder Gottesdienst ist wie ein kleiner Berggipfel. Das Wort Gottes hilft uns hinauszublicken über unsere Wirklichkeit, über alle Krisen dieser Welt. Wir können und dürfen auch heute und hier, in diesem Gottesdienst etwas spüren und ahnen von der Nähe Gottes, von der Freude, ja von der überschwänglichen Freude, die uns bevorsteht., Dahin blicken wir und leben dennoch jetzt in der Gegenwart.
So geht der 3. Weg zur Freude immer weiter. Wir können ihn heute nicht zu Ende gehen. Aber wir sind auf dem Weg. Und dieser Weg hat ein Ziel: die ewige Freude bei Gott.
Amen.