In Geiselwind blüht die Ökumene

Pfarrer Hans Gernert und Pfarrer Joseph Kollatuparampil
Bildrechte: Hans Gernert

Die Texte zur ökumenischen Andacht finden Sie hier. Die evangelische Pfarrei Rehweiler und die katholische Pfarrei Geiselwind luden im Rahmen des 3. Ökumenischen Kirchentages am Samstag, 15. Mai 2021, zu einer ökumenischen Andacht in Rehweiler ein. Dort vor der Kirche wurden 1999 zwei Apfelbäume gepflanzt, die an die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigung erinnern, die am Reformationstag 1999 von Kardinal Edward Cassidy und Bischof Christian Krause in Augsburg unterschrieben wurde. Pfarrer Ralph-Peter Zettler wählte damals bewusst die beiden Apfelsorten „Geflammter Kardinal“ und „Schöner von Herrnhut“ als Symbol für beide Konfessionen. Annemarie Mauer und Siegfried Sauerbrey leiteten die Pflanzaktion 1999 mit den Konfirmanden und waren jetzt auch bei der Andacht dabei. Wegen unsicheren Wetters wurde die Andacht aber nicht wie geplant vor diesen beiden blühenden Apfelbäumen gefeiert, sondern in der Herrnhuter Saalkirche. Pfarrer Joseph Kollatuparampil stellte das Motto des 3. Ökumenischen Kirchentags vor: „Schaut hin!“ So hat Jesus bei der Speisung der 5000 seine Jünger beauftragt, nach den vorhandenen Ressourcen zu schauen. Das wenige wandelte sich unter der Hand Jesu in eine Fülle, die für alle reichte. Pfarrer Hans Gernert bezog dies auf die Ökumene vor Ort: „Schauen wir hin, was uns gegeben ist. Nutzen wir die vorhandenen Gemeinsamkeiten und Ressourcen.“ Er schlug vor, im Herbst bei einer weiteren ökumenischen Begegnung mit den „ökumenischen“ Äpfeln vor der Kirche etwas für alle zu zaubern. Das könnte ein weiterer Zwischenschritt sein auf dem Weg zum gemeinsamen Abendmahl. Dekan i.R. Hanspeter Kern erinnerte an das 2. Vatikanische Konzil, das ein Aufbruch für die Ökumene war. Als Jugendlicher hat er Anfang der 1970er Jahre einen bewegten ökumenischen Gottesdienst in Geiselwind miterlebt. Monika Seitz drückte den Dank aus für das gewachsene Miteinander beim Weltgebetstag, bei ökumenischen Gottesdiensten, Trauungen, Ausflügen, Konzerten und beim Eintreten für den Schutz des Lebens. Edmund Mix bezog das Motto „Schaut hin!“ auch auf die Schönheiten der Schöpfung. Dies wurde gleich umgesetzt, indem viele noch kurz zwischen den beiden symbolträchtigen Apfelbäumen vor der Kirche verweilten.

TEXTE zur ANDACHT:

Begrüßung

 

PFARRER GERNERT

 

Herzlich willkommen zu dieser ökumenischen Andacht! Wir wollen vor Ort ein Teil des Ökumenischen Kirchentags werden. 1999 wurden hier vor der Kirche zwei Apfelbäume gepflanzt, die an einen wichtigen Schritt in der Ökumene erinnern: an die Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigung. Die theologischen Unterschiede, die vor über 500 Jahren zur Kirchenspaltung führten und die gegenseitigen Verwerfungen wurden überwunden. Die Apfelsorte zum Pfarrhaus hin heißt „Schöner von Herrnhut“. Er steht für die evangelische Seite. Die Apfelsorte zur Straße hin heißt „Geflammter Kardinal“ und erinnert an die katholische Seite. Die Gemeinsame Erklärung wurde von katholischer Seite durch Kardinal Edward Cassidy unterschrieben, dem Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen; für die evangelische Seite unterschrieb der Präsident des Luth. Weltbundes, Bischof Christian Krause. Zwei Bäume, die den Geist der Ökumene atmen im wörtlichen und im übertragenen Sinn! Wie alle Pflanzen nehmen die beiden Apfelbäume Kohlendioxid auf und geben Sauerstoff ab. Sauerstoff, den wir alle über Konfessionsgrenzen hinweg zum Leben brauchen. So verbreiten sie ein gesundes Klima.

 

PFARRER JOSEPH

 

In diesem Heilklima wollen wir diese Andacht feiern. Wir nehmen das Motto des 3. Ökumenischen Kirchentags auf: „Schaut hin“. Schaut, wie die beiden Bäume gut miteinander wachsen, blühen und Frucht tragen. Sie sollen ein Symbol für unsere Ökumene vor Ort im Bereich von Geiselwind sein. So beginnen wir im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

In dem Sommerlied von Paul Gerhardt „Geh aus mein Herz und suche Freud“ werden wir auch zum Hinschauen aufgefordert. Schaut hin! „Schau an der schönen Gärten Zier.“ Schau, wie auch diese beiden Apfelbäume ausgetrieben haben, blühen und grünen…

Lied: Geh aus mein Herz (EG 503, 1-2+9+14)

 

DEKAN HANSPETER KERN

 

Die Reformation wollte bekanntlich die Kirche wieder neu an der biblischen Botschaft ausrichten. Dies führte zu einem neuen gründlichen Nachdenken über den Glauben und zu einer bewussten Neuorientierung an den Aussagen der Heiligen Schrift.  Eine weitere Folge des neuen Glaubensverständnisses war aber die Kirchentrennung. Erst nach Jahrhunderten gelang es, sich wieder anzunähern. Den Anfang machte das 2. Vatikanische Konzil, das anfangs der sechziger Jahre von Papst Johannes XXIII.  ausdrücklich als ökumenisches Konzil ausgerufen wurde. 

Damit begann ein Aufbruch in der Ökumene. Ökumenische Gottesdienste und gemeinsame Trauungen sind Beispiele ökumenischer Annäherung.  Ich erinnere mich gerne an einen ökumenischen Jugendgottesdienst, den Jugendliche beider Konfessionen anfangs der siebziger Jahre in der Geiselwinder Kirche St. Burkhard gemeinsam feierten. In der Folge des Konzils einigte man sich als Zeichen der Zusammengehörigkeit auf einen gemeinsamen Wortlaut des Vaterunsers und des Glaubensbekenntnisses.

In der schon erwähnten Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigung von 1999 bekräftigten beide Konfessionen die zentrale biblische Aussage, dass der Mensch Gott recht ist, nicht aufgrund seines Tuns, seiner guten Werke, sondern allein durch die Gnade, die Gott uns schenkt.  Diese biblische Aussage war einst zum Anlass für den Konflikt geworden.

Auch heute gibt es noch viele Unterschiede, die die Ökumene erschweren

 

Wir bekennen Gott alle Verhärtung und allen geistlichen Hochmut, wir klagen Gott, dass das Evangelium uns nicht mehr zusammenführt und bitten, dass seine Liebe uns öffnet im Verständnis füreinander.

Wir kommen zu Gott und rufen: Kyrie eleison, Herr, erbarme dich!

 

Alle: Herr, erbarme dich!

 

Trotz vieler gelingender Schritte der Annäherung schreitet der ökumenische Prozess nur langsam voran. Auch Rückschläge und Enttäuschungen gibt es.

In den Gemeinden vor Ort sind mitunter Vorbehalte gegen eine engere Zusammenarbeit und gegen eine Wertschätzung der jeweils anderen Seite zu spüren.  Die jahrhundertelange Trennung hat sich tief im Bewusstsein und Empfinden der Menschen eingegraben. Die religiöse Verwurzelung der Menschen in der eigenen Konfession macht es immer wieder schwer, sich für andere Formen, andere Lieder, andere Glaubenseinsichten zu öffnen.

 

Wir kommen zu Gott und bitten, dass er uns helfe, Trennungen zu überwinden und zur Einheit zu finden. Wir rufen: Christe eleison, Christus, erbarme dich!

 

Alle: Christus, erbarme dich!

 

2003 luden beide Konfessionen in Berlin erstmals in ihrer Geschichte zu einem ökumenischen Kirchentag ein. Neben viel ermutigenden Zeichen gab es auch Stolpersteine auf dem Weg zu mehr Ökumene: ein gemeinsamer Abendmahlsgottesdienst führte, weil verboten, zum Eklat und zeigte: so weit sind wir noch nicht in der gegenseitigen Anerkennung.

Die Kirchentrennung tut immer noch weh. Besonders in den Familien, wo Menschen die Trennung hautnah erleben.

Die Stimmen, die zur Einheit rufen, werden immer lauter, weil auch Jesus seinen Vater im Himmel um Einheit bittet.

Zum Auftakt des Jubiläums 500 Jahre Reformation riefen Papst Franziskus und die evang. Seite die Gläubigen auf: Katholiken und Lutheraner sollen immer von der Perspektive der Einheit und nicht von der Perspektive der Spaltung ausgehen, um das zu stärken, was sie gemeinsam haben, auch wenn es viel leichter ist, die Unterschiede zu sehen und zu erfahren.  Beide Seiten müssen sich ständig durch die Begegnung mit dem anderen und das gegenseitige Zeugnis des Glaubens verändern lassen. In der Verkündigung und im Dienst an der Welt sollen sie Zeugnis für Gottes Gnade ablegen.

 

Wir wollen Gott bitten, dass er uns auf diesem Weg ermutigt und die Einheit der Konfessionen stärkt. Wir kommen zu Gott und rufen: Kyrie eleison, Herr, erbarme dich!

 

Alle: Herr, erbarme dich!

 

Psalm 36, 6-10 (Einheitsübersetzung) und Gebet

 

6 HERR, deine Liebe reicht, so weit der Himmel ist, deine Treue bis zu den Wolken.

7 Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes, deine Urteile sind tief wie die Urflut.

8 Wie köstlich ist deine Liebe, Gott! Menschen bergen sich im Schatten deiner Flügel.

9 Sie laben sich am Reichtum deines Hauses; du tränkst sie mit dem Strom deiner Wonnen.

10 Denn bei dir ist die Quelle des Lebens, in deinem Licht schauen wir das Licht.

Dreieiniger Gott, wir sind auf deinen Namen getauft. In dir gehören wir zusammen.

Wir danken dir für die guten Entwicklungen in der Ökumene hier bei uns und für die Gemeinschaft jetzt in dieser Andacht.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,

wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

 

MONIKA SEITZ

 

Lesung Mk 6, 35 – 44 (Monika Seitz)

34 Als er ausstieg, sah er die vielen Menschen und hatte Mitleid mit ihnen; denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und er lehrte sie lange. 35 Gegen Abend kamen seine Jünger zu ihm und sagten: Der Ort ist abgelegen und es ist schon spät. 36 Schick sie weg, damit sie in die umliegenden Gehöfte und Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen können! 37 Er erwiderte: Gebt ihr ihnen zu essen! Sie sagten zu ihm: Sollen wir weggehen, für zweihundert Denare Brot kaufen und es ihnen zu essen geben? 38 Er sagte zu ihnen: Wie viele Brote habt ihr? Geht und seht nach! Sie sahen nach und berichteten: Fünf Brote und außerdem zwei Fische. 39 Dann befahl er ihnen, sie sollten sich in Mahlgemeinschaften im grünen Gras lagern. 40 Und sie ließen sich in Gruppen zu hundert und zu fünfzig nieder. 41 Darauf nahm er die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern, damit sie diese an die Leute austeilten. Auch die zwei Fische ließ er unter allen verteilen. 42 Und alle aßen und wurden satt. 43 Und sie hoben Brocken auf, zwölf Körbe voll, und Reste von den Fischen. 44 Es waren fünftausend Männer, die von den Broten gegessen hatten.

 

Apostolisches Glaubensbekenntnis

 

Lied: Wenn das Brot, das wir teilen…(KAA 091, 1-5)

PFARRER JOSEPH KOLLATUPARAMPIL

 

Liebe Schwestern und Brüder,

es ist eine spannende Sache, der Frage nachzugehen, warum im Markusevangelium gleich zweimal ein Speisungswunder berichtet wird. Einmal wie gehört in Mk 6 die Speisung der 5000 auf jüdischem Gebiet, dann in Mk 8 die Speisung der 4000 auf nichtjüdischem Gebiet. Im Kapitel dazwischen, in Mk 7, geht es um die Frage der jüdischen Speisegesetze. Hier bezieht Jesus eine klare Position: Es kommt nicht auf das Essen an, auf das, was man zu sich nimmt, sondern auf, was im Menschen ist, auf das Herz und wie man sich gegenüber anderen verhält. Die jüdischen Speisegesetze waren Grund, dass sich Juden und Nichtjuden nicht gemeinsam an einen Tisch setzten. Strenggläubige Juden wollten sich nicht unrein machen. Wir kennen dieses Problem auch von Petrus, der in Antiochia in dieses alte Muster zurückgefallen ist, obwohl Jesus es überwinden hat. An die Frage, ob sich Christen noch an die jüdischen Speisegesetze halten sollen, die Jesus mit Nein beantwortet hat, an diese Frage schließt die Geschichte von der syrophönizischen Frau an. Darin wird die Frage nach dem Verhältnis von den Juden zu den Nichtjuden weitergeführt. Jesus weiß sich zuerst zu den Juden gesandt. Diese Vorrangstellung der Juden wird auch von der Syrophönizierin anerkannt. Die Juden werden als Kinder bezeichnet, die Nichtjuden zunächst als Hunde, die nur die Krumen bekommen, die vom Tisch fallen. Am Ende der Geschichte wird auch die Tochter der Syrophönizierin als Kind bezeichnet. Sprich, die Nichtjuden werden auf die gleiche Stufe gehoben wie die Juden und auch als Kinder angesehen. Und die Krumen, die vom Tisch fallen, erweisen sich als nichts anderes als die übriggebliebenen Körbe mit Brot aus der Speisungsgeschichte. Sie sind ein Symbol für die Fülle das Heils, das allen Menschen zugutekommt. Ich finde diesen Zusammenhang bemerkenswert, weil hier alle Grenzen überwunden werden. Beim zweiten Speisungswunder der 4000 essen die Nichtjuden mit Jesus und den Jüngern, also mit den Juden zusammen. Im Galaterbrief, wo Paulus ja auch genau um diese Fragen mit Petrus gerungen hat, fasst es Paulus so zusammen: „Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen. Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau, denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.

Erst aus dem Gesamtzusammenhang erschließt sich, worum es dem Evangelisten Markus ging. Die Speisung der 5000 und die Speisung der 4000 sind eng aufeinander bezogen. Es wird deutlich: Das Heil, das Jesus gebracht hat, gilt allen Menschen. Die Kirchen bezeugen dieses Heil, sie geben es weiter, aber sie verwalten es nicht. Es ist nicht ihr Besitz, nicht ihr Heil, sondern das Heil Gottes.

Vieles in den Speisungserzählungen ist symbolisch oder knüpft an die alten Überlieferungen an. Brot steht symbolisch für das Heil, das Menschen durch Jesus erfahren und erlangen. Es reicht für alle. Die übrigbleibenden Brocken stehen für die Fülle des Heils.

Vor der 1. Speisung ziehen sich Jesus und seine Jünger in die Wüste zurück. Statt hier die ersehnte Einsamkeit genießen zu können, folgen ihnen große Menschenmengen. Die Szene erinnert an die Wüstenwanderung Israels. Mose zieht voran. Immer wieder ist das Essen knapp. Doch siehe da, in der Wüste fällt Manna vom Himmel. So lebte das Volk jeden Tag aus den Händen Gottes, ohne zu wissen wie. Dann hat Jesus Mitleid mit der Menge, weil er sie als Schafe wahrnimmt, die keinen Hirten haben. Die Schafherde ist ein klares Symbol für Israel. Wenn sich die Leute in Gruppe auf grünem Gras lagern, lässt das unüberhörbar den 23. Psalm anklingen. „Er weidet mich auf einer grünen Aue.“

Was hat das alles mit dem 3. Ökumenischen Kirchentag zu tun? Was hat das mit uns als katholische und evangelische Christen hier in Geiselwind zu tun. Dazu jetzt Gedanken von Pfarrer Gernert.

PFARRER HANS GERNERT

In der Geschichte von der Speisung der 5000 fordert Jesus die Jünger auf, sich um die Menschenmenge zu kümmern. Sie sollen gehen und schauen, welche Ressourcen vorhanden sind.

Schaut hin!

Pfarrer Joseph hat mit uns gerade auf den Zusammenhang im Markusevangelium geschaut. So haben wir miteinander auf Jesus geschaut. Er bringt das Heil Gottes zu allen Menschen, zu Juden und Nichtjuden. Als Christen zählen wir zu den Nichtjuden.

Wir sind zum Volk Gottes dazugekommen. Unser Platz in der Speisung der 5000 ist nach dem Markusevangelium am Schluss der Geschichte.

Die übrig gebliebenen Brotstücke, die Krumen unter dem Tisch, sind für uns gedacht. Sie stehen für die Fülle, die Jesus auch für uns gebracht hat. Aus dieser Fülle dürfen wir alle leben. 

Schaut hin!

Ich finde es mutig, dass der 3. Ökumenische Kirchentag gerade dieses Motto gewählt hat.

Im Vorbereitungskreis war uns wichtig, dass wir heute miteinander hinschauen auf das in der Ökumene schon Erreichte. Trotz mancher Hürden und Querschüsse hat sich die Ökumene vor Ort positiv entwickelt. Es wird Gott sei Dank nicht mehr als Problem gesehen, wenn sich zwei Menschen mit verschiedener Konfession finden und heiraten. Ökumene funktioniert in den Familien. Ökumene funktioniert in unseren Gemeinden. Darum wollen wir auch Teil dieses 3. Ökumenischen Kirchentags sein. Weil uns das Miteinander am Herzen liegt. Weil wir uns nicht mehr auseinanderdividieren wollen. Weil wir uns in Christus verbunden wissen.

Schaut hin!

Es gibt auch eine Entwicklung vom 1. über den 2. zu diesem 3. Ökumenischen Kirchentag.

Der 1. ÖKT fand 2003 in Berlin statt. Das war ja als solches schon ein Zeichen: Wir organisieren diese Tage gemeinsam. Wir machen nicht mehr unser eigenes Ding.

Der 2. Ökumenische Kirchentag fand 2010 in München statt. Ich war mit meiner Frau dort. Die heißen Eisen wurden auch dort angepackt. Ein gemeinsames Abendmahl wurde von beiden Kirchen nicht vorgesehen, es wurden auch keine Kirchenräume dafür zur Verfügung gestellt. Im Vergleich zu diesen ersten beiden Kirchentagen lässt sich nun doch ein kleiner Fortschritt in der Abendmahlsfrage feststellen: Beim 3. ÖKT in Frankfurt dürfen die Teilnehmer auch an den Mahlfeiern der jeweils anderen Konfessionen teilnehmen – wenn sie dies mit ihrem Gewissen vereinbaren können und wenn die Corona-Situation dies zulässt.

Der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz Georg Bätzing sagt:

„Nichtkatholische Teilnehmer sollen sich als willkommene Gäste erfahren.“ Voraussetzung sei eine Prüfung des Gewissens und die Übereinstimmung mit dem katholischen Glauben.

Eine allgemeine Einladung aller Getauften zur Eucharistiefeier ist bislang aufgrund der fehlenden Kirchengemeinschaft nicht möglich. Mein persönlicher Wunsch ist es, dass ich das in meiner Zeit hier in Geiselwind noch erleben darf, dass eine gemeinsame Kommunion normal wird.

Schaut hin!

Die ersten Christen hatten da auch ihre Anfangsprobleme bei gemeinsamen Mahlfeiern von Judenchristen und Heidenchristen.

Doch wie Paulus und auch der Evangelist Markus aufzeigen, haben sie diese überwunden.

Schaut hin! So kann es gehen.

Schaut hin!

Wir können jetzt schon viel gemeinsam tun. Die vorhandenen Gemeinsamkeiten und Ressourcen wollen wir entdecken und nutzen. Verzagtheit ist nicht angesagt, sondern Mut.

Schaut hin!

Wir schauen gemeinsam auf Christus. Auch in dieser Andacht. Er hat uns die Fülle des Heils gebracht. Aus seiner Fülle leben wir als evangelische und als katholische Christen.

Auf ihn sind wir getauft. In ihm sind wir allesamt einer. Von ihm geht die Einheit aus. Er ist unser Hirte, der uns weidet. Bei ihm werden alle satt.

Schaut hin!
Hier vor der Kirche stehen zwei Apfelbäume als Symbol für die Ökumene. Sie sind ein Symbol, dass die Ökumene blüht, dass sie Früchte hervorbringt und dass wir diese Früchte genießen können. Wenn es eine gute Ernte gibt in diesem Jahr, können wir ja die Äpfel von den „ökumenischen“ Bäumen Geflammter Kardinal und Schöner von Herrnhut miteinander teilen. Schauen wir hin! Werden wir noch kreativer! Nichts sollte uns daran hindern!

 

Lied: Nun singe Lob, du Christenheit (EG 265, 1-5)

 

Fürbitten

 

EDMUND MIX

Guter Gott, du lockst uns, hinzuschauen: zu den blühenden Bäumen, zu den mit Leichtigkeit fliegenden Schwalben, zur spießenden Saat, zu der Vielfalt und Buntheit deiner Schöpfung. Lass uns immer wieder Kraft tanken aus der Fülle, die uns umgibt. Wir rufen: Herr, erhöre uns.

 

Zur Schöpfung gehören auch verstörende Dinge wie Krankheitserreger und Stechmücken. Wir danken dir, dass Forscher genau hinschauen können und Mittel gefunden haben, die vor Krankheiten schützen. Hilf uns hinzuschauen, wo andere Menschen uns brauchen. Wir rufen: Herr, erhöre uns.

 

MONIKA SEITZ

Gott, wir schauen auf das, was an Gutem unter uns gewachsen ist und danken dir dafür. Unsere Kinder gehen in dieselbe Kita. Ökumenische Trauungen wurden selbstverständlich, gemeinsame Ausflüge, ökumenische Gottesdienste und Konzerte, gemeinsames Eintreten für den Schutz des Lebens. Hilf uns voranzukommen auf dem Weg einer sichtbaren Gemeinschaft in Vielfalt. Wir rufen: Herr, erhöre uns.

 

Schenke uns Christen und unserer gesamten Gesellschaft Ideen und Perspektiven für einen nachhaltigeren Lebensstil. Gibt uns die Kraft und Gelassenheit, über uns selbst, unsere Umwelt und unser Land hinauszublicken und den Rest der Welt nicht zu vergessen. Lass uns gemeinsam fantasievoll und mutig an einer besseren Zukunft für alle Menschen bauen. Wir rufen: Herr, erhöre uns.

 

Vaterunser

 

Segen

 

Lied: Der Tag mein Gott, EG 266, 1-5 (3-5 gesprochen)

 

Orgel REINHOLD EYßELEIN