Willi Schmidt ist am 23. Dezember 1925 in Buchhaus geboren und mit einer älteren Schwester in Gaststätte zur Waldschmiede in Buchhaus bei Kirchenlamitz aufgewachsen. Sein Vater verstarb früh, als er noch Jugendlicher war. 1943 meldete er sich freiwillig zum Kriegsdienst beim fliegenden Personal und entging so dem Schicksal vieler Altersgenossen, die einzogen wurden und bei Leningrad ums Leben kamen. Aus einem areligiösen Elternhaus stammend erhielt er 1947 beim Nachholen des Abiturs durch den Unterricht und die Jugendarbeit des Kulmbacher Dekans Heinrich Riedel den Anstoß zum Theologiestudium.
In Neuendettelsau studierte er Theologie. Lotte, die er flüchtig aus seiner Schulzeit kannte, machte dort die Ausbildung zur Katechetin. Sie wurde seine Frau. Zwei Töchter wurden ihnen geschenkt, Angelika und Katharina. 1953 wurde er Vikar in Naila.
Von 1957 bis 1966 übernahm er die 1. Pfarrstelle in Berg. In dieser Zeit wurde Pfarrer Walter Hümmer, der durch die Oxford-Gruppenbewegung inspiriert 1949 die Christusbruderschaft in Selbitz gegründet hatte, für ihn zu einem Vorbild und geistlichen Vater. Bei Hümmer spürte er, dass dieser vor einem anderen steht, wenn er betet.
Nach neun Jahren wurde er ins Landeskirchenamt nach München gerufen. An diesem Tag war die Losung: „Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin.“ Die Oberkirchenräte Riedel und Dietzfelbinger kannten ihn bereits und boten ihm 1966 die Dekansstelle in Castell an, weil das Fürstenhaus jemand wollte, der einen Bezug zum Marburger Kreis hat. Seine Frau Lotte hatte 1964 eine Tagung des Marburger Kreises besucht. Seelsorge, Beichte, stille Zeit und Austausch in Hauskreisen sollen das Glaubensleben fördern. Diese klare Ausrichtung prägte Willi Schmidt als Pfarrer und Dekan auch in der Arbeit mit Kindern, Konfirmanden und Jugendlichen, für die er viele ehrenamtliche Mitarbeitende gewinnen konnte. Mit Pfarrer Singenstreu aus Rehweiler hat er auf Konfirmandenfreizeiten eng zusammengearbeitet.
Die Schwestern der Communität Casteller Ring, die bis 1980 im Casteller Schlösschen lebten und die Sonntagsgottesdienste in der Grafschaftskirche mitfeierten, unterstützten ihn dabei, das Abendmahl öfter zu feiern. Willi Schmidt war leutselig und hatte Humor. Bei Tagesfahrten brachte er der Gemeinde bedeutende Kirchen und Orte näher. Oberhalb des Schlosses wurde ein leerstehendes Haus zum Gemeindehaus umgebaut. 1981 hat die Orgelbaufirma Schmid aus Kaufbeuren eine neue, viermanualige Orgel in das Gehäuse von 1788 eingebaut, die Konzertansprüchen genügt.
An den zweiten Feiertagen kam Willi Schmidt gern zu den gut besuchten Gottesdiensten in Füttersee.
1989 verließ er Castell und verbrachte seinen langen Ruhestand in Hof an der Saale. Gewachsene Beziehungen nach Castell und von Castellern zu ihm begleiteten ihn bis zuletzt. Als seine Frau pflegebedürftig wurde, stand er ihr zur Seite. Ihr beider Wunsch war es, ihre letzte Ruhe im Friedwald auf dem Schwanberg zu finden, weil der Friedwald von der Communität betreut wird und dort das Gebet gepflegt wird. In der Nähe des Altärchens suchte sich Lotte eine Eiche aus. 2021 wurde sie dort beigesetzt. Auf dem Schild ist der Konfirmationsspruch von Willi Schmidt zu lesen: „Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.“ Darin ist ausgesagt, was das Fundament seines Lebens geworden ist. Willi Schmidt ist im Alter von 100 Jahren am Mittwoch, 4.2.2026, verstorben.
Durch den Konfirmandenunterricht und den Bibelkreis bei Willi Schmidt wurde ich, Hans Gernert. in meiner Jugend stark von Willi Schmidt geprägt.
2023 hat Willi Schmidt ein Interview gegeben, das auf YouTube veröffentlich ist: