Sag Nein! - So schärfen es Eltern ihren Kindern ein.
Wenn dich ein fremder Mensch im Auto mitnehmen will: Sag Nein!
Wenn dich jemand zu etwas verführen oder zwingen will, was du nicht willst: Sag Nein!
In der kommenden Woche beschäftigt sich unser Kirchenvorstand mit dem Schutzkonzept. Das war in der Vergangenheit schon immer wieder ein Thema. Aber in der nächsten Zeit muss das Schutzkonzept bei der Fachstelle abgegeben werden. Auch die Teile, die das Dekanat betreffen, werden gerade bearbeitet. Katja Holzberger und Lara Mahr haben sich besonders intensiv eingearbeitet.
Ein wichtiger Punkt ist es, dass wir auch im kirchlichen Bereich die Grenzen von Menschen wahrnehmen und achten. Niemand will und soll vor einer Gruppe bloßgestellt werden. Kinder nicht und Erwachsene auch nicht. Man muss immer die Freiheit und die Wahl haben, Nein zu sagen: „Das geht mir jetzt zu weit. Hier ist meine Grenze. Das möchte ich nicht.“
Sag Nein!
Den Seher Johannes beschäftigt die Frage: Wo ist für Christen die Grenze der Anpassung an ihre nicht-christliche Umwelt? Wo muss vom Glauben an Jesus Christus her „Nein“ gesagt werden? Für Johannes ist es eindeutig: Der Kaiser ist nicht göttlich. Der wahre Herr über Leben und Tod ist nicht der Kaiser, sondern Jesus Christus. Vor ihm haben wir uns zu verantworten. Er allein ist Richter. Das zweischneidige Schwert, das aus seinem Mund hervorkommt, weist darauf hin.
Offenbarung 1, 9-18:
[9] Ich, Johannes, euer Bruder und Mitgenosse an der Bedrängnis und am Reich und an der Geduld in Jesus, war auf der Insel, die Patmos heißt, um des Wortes Gottes willen und des Zeugnisses von Jesus. [10] Ich wurde vom Geist ergriffen am Tag des Herrn und hörte hinter mir eine große Stimme wie von einer Posaune, [11] die sprach: Was du siehst, das schreibe in ein Buch und sende es an die sieben Gemeinden: nach Ephesus und nach Smyrna und nach Pergamon und nach Thyatira und nach Sardes und nach Philadelphia und nach Laodizea. [12] Und ich wandte mich um, zu sehen nach der Stimme, die mit mir redete. Und als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter [13] und mitten unter den Leuchtern einen, der war einem Menschensohn gleich, angetan mit einem langen Gewand und gegürtet um die Brust mit einem goldenen Gürtel. [14] Sein Haupt aber und sein Haar war weiß wie weiße Wolle, wie der Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme [15] und seine Füße wie Golderz, das im Ofen glüht, und seine Stimme wie großes Wasserrauschen; [16] und er hatte sieben Sterne in seiner rechten Hand, und aus seinem Munde ging ein scharfes, zweischneidiges Schwert, und sein Angesicht leuchtete, wie die Sonne scheint in ihrer Macht. [17] Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen Füßen wie tot; und er legte seine rechte Hand auf mich und sprach zu mir: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte [18] und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.
Der Seher Johannes ruft die Christen zur Wachsamkeit und Klarheit auf. Sie sollen standhaft bleiben im Glauben: „Wenn sie dir befehlen, den Kaiser als göttlich zu verehren, dann gibt es nur eins: Sag NEIN! Nicht der Kaiser, Christus ist unser Herr!“
Liebe Gemeinde, ich frage Sie: Wo ist für Sie eine Grenze? Wo würden Sie sagen: Das ist mit dem christlichen Glauben nicht mehr vereinbar?
Wahrscheinlich sind wir uns alle einig: Einen Krieg vom Zaun brechen, das verbietet der Glaube. Sag Nein! Keine Gewalt. Gewalt ist keine Lösung. Ich werde noch weitere Beispiele anführen.
Vielleicht klingt bei manchen von Ihnen bereits ein Text von Wolfgang Borchert im Ohr. 1947, Deutschland lag noch in Trümmern, die Zerstörungskraft der Atombomben über japanische Städte stand vor Augen, da hat Borchert kurz vor einem frühen Tod eine Warnung vor dem Krieg und der Selbstzerstörung verfasst. Eine Art Manifest:
„Du. Mann an der Maschine und Mann in der Werkstatt. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst keine Wasserrohre und keine Kochtöpfe mehr machen – sondern Stahlhelme und Maschinengewehre. dann gibt es nur eins: Sag NEIN!
Du. Mädchen hinterm Ladentisch und Mädchen im Büro. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst Granaten füllen und Zielfernrohre für Scharfschützengewehre montieren, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Besitzer der Fabrik. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst statt Puder und Kakao Schießpulver verkaufen, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Forscher im Laboratorium. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst einen neuen Tod erfinden gegen das alte Leben, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Dichter in deiner Stube. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst keine Liebeslieder, du sollst Hasslieder singen, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Arzt am Krankenbett. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst die Männer kriegstauglich schreiben, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Pfarrer auf der Kanzel. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst den Mord segnen und den Krieg heilig sprechen, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN! …
Es folgen noch sieben weitere Menschengruppen und danach ein einziger, nicht enden wollender Satz, der ausmalt, was passiert, wenn wir nicht Nein sagen.
Wir leben in einer Zeit, wo scheinbar alles erlaubt ist. Aber als Christ gibt es für mich Grenzen des Mitmachens.
Wenn Menschen ausgegrenzt, verspottet, gemobbt und unter Druck gesetzt werden, dann sage ich „NEIN!“
Wenn gegen Juden gehetzt wird oder gegen andere Gruppen, dann sage ich: „NEIN!“
Wenn mir Drogen angeboten werden, dann sage ich „NEIN!“
Wenn frauenfeindliche Lieder gesungen werden, dann singe ich nicht mit.
Wenn pauschal über unsere Politiker hergezogen wird, dann sage ich „NEIN!“ Politiker nehmen ihre Aufgaben in der Regel sehr ernst, setzen sich mit viel Zeit und Kraft ein und sind oft ungerechtfertigten Anfeindungen ausgesetzt.
Aladin El-Mafaalani ist ein deutscher Soziologe und Hochschullehrer der die Entwicklungen in unserer Gesellschaft analysiert. Seine Eltern waren Akademiker, die 1971 aus Syrien nach Deutschland eingewandert sind. Aladin El-Mafaalani ist 1978 in Datteln im Ruhrgebiet geboren. 2023 hat er das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen bekommen, was auch in der arabischen Welt viel beachtet und gewürdigt wurde. Im vergangenen November erschien sein Buch „Misstrauensgemeinschaften“. Darin erklärt er, warum in der letzten Zeit Populismus und Verschwörungsideologien in unserer Gesellschaft zunehmen und erstarken. Es gab schon immer Menschen, die mit der Politik unzufrieden waren. Doch die fielen nicht so groß auf. Durch die sozialen Medien tun sich aber die Enttäuschten zusammen. Man vertraut denen, die ebenfalls misstrauen. Und zwar nicht aufgrund ihrer Kompetenz oder Erfahrung, sondern einzig und allein aufgrund des gemeinsamen Misstrauens. Es entstehen Misstrauensgemeinschaften. Man misstraut den Institutionen, man misstraut den Politikern, man misstraut der Justiz, man misstraut den Medien, man misstraut den Wissenschaftlern und entzieht sich damit aber dem vernünftigen Austausch von Argumenten. In diesen Misstrauensgemeinschaften sieht El-Mafaalani eine Gefahr für die gesellschaftliche Stabilität.
Denn in Misstrauensgemeinschaften wird alles nur kritisiert, es werden aber keine tragfähigen Lösungen erarbeitet.
Misstrauen zersetzt eine Gesellschaft. Wohin das führt, erleben wir derzeit in Amerika und anderen Ländern, wo die demokratischen Strukturen zerstört und die persönliche Rechte und Freiheitsrechte eingeschränkt werden.
Ich bin dankbar, dass ich in einem Land lebe, das die Freiheitsrechte schützt und achtet. Es ist gut, dass die Gewaltenteilung bei uns funktioniert. Dass Politiker nicht über dem Gesetz stehen, sondern sich auch verantworten müssen. Dass die Justiz nicht gleichgeschaltet ist. Dass Antisemitismus nicht hingenommen wird. Dass Gewalt in den Familien und Missbrauch nicht unter den Teppich gekehrt werden.
Wir brauchen keine Misstrauensgemeinschaften, sondern ein Miteinander, das auf Vertrauen basiert. Nicht auf blindem Vertrauen. Aber auf einer Vertrauenskultur, die sich darin zeigt, dass wir anderen zuerst einmal Vertrauen entgegenbringen und einander zuhören, statt einander in Gesinnungsfreunde und Feinde einzuteilen.
Liebe Gemeinde! Es ist eine bleibende Aufgabe zu erkennen, wo wir vom Glauben her „Nein!“ sagen müssen.
Es ist auch wichtig, miteinander darüber zu diskutieren, wo klare Grenzen sind. Manchmal ist das ja gar nicht so einfach. Fundamentalistische Antworten, die letztlich auch aus einer Misstrauensgemeinschaft hervorgehen, können eben auch danebenliegen und den Glauben an Gottes Liebe verdunkeln.
Sag NEIN!
Der Seher Johannes spricht dieses „Sag Nein!“ nicht offen aus. Aber es schwingt mit, wenn er die Christen seiner Zeit zum Festhalten an Jesus Christus aufruft. Er wird uns die Krone des Lebens geben. Einen größeren Trost gibt es nicht.
Denn er, der Erste, der Letzte und der Lebendige, der durch den Tod gegangen ist, er allein hat die Macht über den Tod und das Totenreich. Er ist absolut vertrauenswürdig und stiftet eine Vertrauensgemeinschaft.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.