Reimpredigt zu Lk 18,31-43 am Sonntag Estomihi

Liebe Gemeinde, liebe Leute,
ich hoff, die Predigt macht euch Freude, 
wenn sie in Reimen kommt daher.
Manch eine wollte davon mehr.
Drum wage ichs zum zweiten Mal.
Das bringt mit sich Freude und Qual.
Der Sonntag Estomihi, fein,
lädt besonders zum Reimen ein.
Da geht der Fasching bald zu Ende.
Mit Aschermittwoch kommt die Wende.
Mit Froh- und Leichtsinn ist’s vorbei,
mit Alkohol und Liebelei.
Geknüpfte erotische Bande
soll’n bleiben Erscheinung am Rande.
Verleugnet werden fremde Küsse,
kurzlebig erweisen sich manche Genüsse.
Jupp Schmitz von Köln, der Krätzchensänger,
warnte darum alle Karnevalsgänger:
"Am Aschermittwoch ist alles vorbei.
Die Schwüre von Treue - sie brechen entzwei,
Von all deinen Küssen darf ich nichts mehr wissen.
Wie schön es auch sei, dann ist alles vorbei.
Am Aschermittwoch ist alles vorbei."

Wie gehen wir damit um,
wenn wir wissen, etwas geht rum.
Etwas geht zu Ende und ist vorbei.
Machen wir dann ein Geschrei
oder ist es uns einerlei
und wir finden nichts dabei.
Es kommt ganz drauf an, was ende:
Die Fahrt nach dem Navi im Gelände,
ein Fest oder ein schöner Urlaub,
eine toxische Beziehung – mit Verlaub:
das macht einen großen Unterschied.
Das eine tut gut, das andre nimmt schwer mit.

Wir haben im Evangelium von Jesus gehört.
Nicht er, seine Freunde waren verstört,
als er von seinem nahen Ende sprach,
von Auslieferung, Verspottung, und ach,
von Anspucken, Auspeitschen und Töten.
Das klingt nach großen, inneren Nöten.
Die Freunde konnten nicht verstehen, 
welchen Weg ihr Meister wird gehen.
Jesus geht seinen Weg letztlich allein,
am Ende wird keiner bei ihm sein.
Wie geht Jesus mit dem Wissen um,
dass sein Leben ist in Bälde herum?
Bei seinem Auftrag tut er verweilen,
Menschen zu trösten und zu heilen.

Die Freunde aber kommen nicht nach.
Sie stehn sich im Weg, welch Ungemach. – 
Wer der Größte sei, wollten sie wissen.
„Wer dient“, sagt ihr Meister beflissen.
Sie sind nur mit sich selbst beschäftigt 
und sehen nicht, was Jesus bekräftigt,
indem er das Dienen vorlebt
und nicht an seinem Leben klebt.
Dienen ist seine Mission bis zuletzt.
Selbst für die, die ihn haben verletzt,
bittet er am Kreuz Gott um Vergebung.

In Jericho stehn sie vor der Erhebung. 
Über 1000 Meter geht’s nach Jerusalem hinauf.
Dort nimmt Jesus sein Schicksal in Kauf. 
„Ort der Hinaufnahme“ sagt Lukas dazu. (Lk 9,51)
Das Kreuz als Erhöhung – da staunst du. 
Nach drei Tagen im Grabe und ganz tot:
Erhöhung in den Himmel, zu Gott,
Doch unten in Jericho geschieht noch was.
Ein Blinder sitzt dort auf der Straß‘.
Als er von Jesus hört, da wird er laut.
Bei den Jüngern sich der Ärger staut.
Sie weisen den Störenfried zurecht,
er solle schweigen, der Zeitpunkt sei schlecht.
Doch der Blinde schrie noch mehr:
„Sohn Davids, erbarm dich, lieber Herr.
Wieder lagen die Jünger daneben.
Man denkt, das darf’s doch nicht geben.
Sie kommen Jesus nicht hinterher.
Dafür der Blinde umso mehr.

Betrachten wir, was Jesus macht.
Behutsam, umsichtig und sacht
lässt er den Blinden zu sich führen
und seine liebevolle Nähe spüren.
Der selber um sein Ende weiß,
verwendet auf ihn allen Fleiß. 
Dienen ist seine Mission bis zuletzt.
Denn er ist nicht angstbesetzt.
Er weiß ganz klar um seinen Auftrag,
den niemand ihm verwehren mag.
Er ist ganz Ohr für diesen Blinden
und fragt – um so herauszufinden – 
warum er so unablässig schrei‘
und was denn sein Anliegen sei.
Selbstwirksamkeit ist Jesus wichtig.
Dies Ziel ist für Seelsorge richtig:
Selbstwirksamkeit und nicht Bevormundung,
auf Augenhöhe Ressourcenerkundung.

Der Blinde redet nicht um den Brei.
Er bittet Jesus frank und frei:
„Herr, dass ich sehen kann!“
Was für ein selbstbewusster Mann!
Trotz Krankheit resigniert er nicht
mit dem verlornen Augenlicht.
Er lässt sich nicht einfach gehen,
er will mit seinen Augen sehen
wie er es von früher kannte,
bevor Krankheit ihn übermannte.
Von Menschen erwartete er nichts mehr,
doch in Jesus sieht er seinen Retter – 
ganz anders als die Sehenden,
die nicht fühlten mit dem Flehenden.
Der Heiler Jesus war bekannt,
sein Ruf ging durch das ganze Land.
Selbst seine Gegner erkannten an,
dass Jesus Kranke heilen kann.
Darum setzt der Blinde auf ihn Vertrauen.
Das Wunder geschieht: Er kann wieder schauen.
Doch mit der Heilung ist es nicht getan.
Der Geheilte folgt dem Leidensmann
hinauf bis nach Jerusalem.
Mit dem Sehen hat er nunmehr kein Problem
im Gegensatz zu all den andern, 
die schon lang mit Jesus wandern
und immer noch sind blind für den,
mit dem sie schon so lange geh‘n.
Wir hören schließlich den Geheilten singen,
um Gott Dank und Ehre darzubringen.
Mit dem Lob bleibt er nicht allein,
das ganze Gottesvolk stimmt mit ihm ein.
Wir werden hier mit einbezogen
und dürfen mit dem Volk Gott loben.
Nicht Jesus wird gelobt am Ende,
nein, zu Gott erheben alle ihre Hände.

Wir sind mit hineingenommen,
und dürfen mit dem Blinden kommen
und mit ihm sehen lernen neu,
dass Gott ist gütig und ganz treu.
Gott schenkte Jesus neues Leben,
wie es war Jesus eingegeben,
dass er nach seinem Tod wird auferstehen
und uns mit seinem Geist umwehen.
Die Eingangsfrage an uns war,
ich wiederhole sie hier klar:
Wie lebt es sich mit dem Wissen,
dass wir auch einmal gehen müssen?
Lässt uns das resignieren 
und gehen auf allen Vieren? 
Oder sehen wir ein Ziel und einen Sinn,
worauf wir wollen leben hin?

Als Geisel der Hamas entführt
Eli Sharabi Aufmerksamkeit gebührt.
Ausgehungert, verhöhnt, geschlagen,
in Ketten musste er viel ertragen.
Nach 491 Tagen,
durfte er sich aus dem Dunkel wagen.
Durch einen Gefangenenaustausch kam er frei.
Doch das Grauen war damit nicht vorbei.
Er wog nur noch auf 44 Kilogramm,
als er endlich Zuhause ankam
und dort sogleich erfahren musste,
was er die ganze Zeit nicht wusste 
und was seine größte Hoffnung war:
Es überlebten nicht die Gefahr
seine zwei Töchter und seine Frau.
Die Wirklichkeit ist mehr als rau.
Eine Entscheidung hat Eli getroffen,
die macht mich sehr betroffen.

In Haft entschied er fest für sich:
ein menschliches Wesen will bleiben ich.
Ich will nicht so werden wie die,
die andre zwingen in die Knie,
die sich am Leid von andern freuen
und sich vor keiner Grausamkeit scheuen.

Eli ist darin Jesus nah,
der auch sein Ende nahen sah.
Ob auch Verzweiflung ihn umweht,
sehen wir, wie seinen Weg er geht.
Jesus nimmt sein Schicksal an,
geht aber nicht vorbei am blinden Mann.
Er bleibt den Menschen zugewandt,
freundlich, gütig, von Gott gesandt.

Erinnern will ich noch an Willi Schmidt.
Bis zuletzt war er im Geiste fit.
Mit Lob auf den Lippen wollte er gehen
zu seinem Heiland, um ihn zu sehen.
So kam es denn auch an seinem Sterbetag,
über welchem Freude und Hoffnung lag.
Mit Heimbewohnern sang er „Lobe den Herrn“
und dann sagte er zu ihnen gern:
„Wir sind alle in Jesus verbunden.“
Kurze Zeit darauf ist er entschwunden.

Ich schließe mit einem Lied von Reinhard Mey,
das eine Liebeserklärung an seine Frau sei.
Darin lädt er dazu ein,
im Hier und Jetzt zu leben, zu sein,
und sich aneinander zu freun:

"So viele Sommer mit dir verbracht,
mit dir geliebt und geweint und gelacht.
Lass uns den Sommertag heut‘ glücklich leben.
Wie viele Sommer mag es noch geben? 

Alle guten Dinge müssen enden.
Lass uns verschenken, lass uns verschwenden.
Die Hand, die verschenkt, leert und füllt sich zugleich.
Nur was wir verschenken macht uns wirklich reich.
Lass uns Glück verstreuen mit vollen Händen.
Alle guten Dinge müssen enden.

Die Tränen, der Kummer, die Niederlagen,
schlaflose Nächte, Fragen und Klagen,
die Zweifel, die Ängste, die Sorgen und Mühen,
Blütenträume, die nicht verblühen.
Gemeinsam gestanden, gemeinsam getragen,
die Tränen, den Kummer, die Niederlagen.

Die Liebe überstrahlt alles im Leben,
alle Gestirne verblassen daneben.
Die einzige Botschaft, der einzige Sinn,
die einzige Zuflucht liegt doch darin,
einander Trost und Wärme zu geben.
Die Liebe überstrahlt alles im Leben."

Noch viel mehr gilt das von Gottes Liebe.
Wenn uns das nur im Bewusstsein bliebe!

Und der Friede Gottes, der weiter geht
und tiefer reicht als was ein Mensch versteht,
erfülle euch jetzt und alle Stunden.
Denn: „Wir sind in Jesus verbunden.“

Drum sprechen wir in seinem Namen
das letzte Wort gemeinsam: Amen

(Hans Gernert, 14.2.2026)